Der Druidensteig: Etappe 2 von Kirchen (Sieg) nach Herdorf-Sassenroth
Bergbau ist in der Region allgegenwärtig. (Foto: Christoph Eul)
Auf der neuen zweiten Etappe führt er Wandernde vom Siegtal in Kirchen über aussichtsreiche Höhen, vorbei an der Freusburger Mühle und hinauf zum sagenumwobenen Druidenstein, bevor es durch stille Wälder hinab nach Herdorf-Sassenroth geht. Mit rund 17,6 Kilometern Länge und gut 500 Höhenmetern im Aufstieg ist sie eine der forderndsten Etappen des gesamten Weges.
Kirchen (Sieg). Der Druidensteig, der auf sieben Etappen von Freusburg bis nach Hachenburg verläuft und mit etwa 94 Kilometern als längste zertifizierte GeoRoute Deutschlands gilt, erschließt die Landschaft zwischen Sieg und Hohem Westerwald. Seit über 2.000 Jahren wird in dieser Region Erz abgebaut, und noch heute prägen ehemalige Gruben, Halden und Pingen das Landschaftsbild. Mehr als 30 Infopunkte entlang des Qualitätswanderweges geben Einblicke in Geologie, Bergbaugeschichte und das Leben der Menschen, die hier über Jahrhunderte vom Erz lebten.
Die zweite Etappe startet direkt am Bahnhof in Kirchen, dessen historisches Empfangsgebäude heute als Restaurant genutzt wird. Von hier folgt man der Markierung des Druidensteigs zunächst durch die Straßen der Stadt, bevor ein Anstieg in Richtung Kahlberg beginnt. Über schmale Waldpfade gewinnt man zügig an Höhe, bis man den Ottoturm erreicht – einen knapp 20 Meter hohen Aussichtsturm, der als GeoBlick eine beeindruckende Rundsicht ins Siegtal, hinüber zur Freusburg und auf die Höhen des Westerwaldes bietet. Wer die 102 Stufen hinaufsteigt, wird mit einem weiten Panorama belohnt, das einen ersten Eindruck von der Dimension der bevorstehenden Wanderung vermittelt.
Foto: Andreas Hof
Nach dieser Aussichtspause führt der Druidensteig weiter über Wald- und Wiesenpfade, die immer wieder Blicke nach Herkersdorf und ins Asdorftal freigeben. Oberhalb von Kirchen-Herkersdorf trifft man auf einen kunstvoll gestalteten historischen Kreuzweg aus den 1920er Jahren, dessen eindrucksvolle Stationen und Sandsteinreliefs den steilen Aufstieg begleiten. Die Ruhe des Waldes, das Knirschen des Bodens unter den Schuhen und die Bildstöcke am Weg schaffen eine fast meditative Atmosphäre – ein starker Kontrast zur Betriebsamkeit im Tal.
Wenig später steht man unvermittelt vor dem Star der Etappe: dem Nationalen Geotop Druidenstein. Der 1 bis 20 Millionen Jahre alte Basaltkegel ragt markant aus dem Hang und gilt als geologisches Highlight des gesamten Druidensteigs. Sagen erzählen, hier hätten Kelten Opfer dargebracht, und noch heute soll man in Vollmondnächten das Wehklagen der Geopferten hören – ob man daran glaubt oder nicht, die besondere Atmosphäre dieses Naturdenkmals ist kaum zu übersehen. Rund um den Fels laden Bänke und eine bewirtschaftete Wanderhütte zur Rast ein; hier bietet es sich an, eine längere Pause einzulegen und den größten Anstieg des Tages Revue passieren zu lassen.
Ab dem Druidenstein ist der härteste Teil der Etappe geschafft. Zunächst geht es bergab in Richtung Hellertal, wo der Weg den Charakter von Waldwegen und schmalen Pfaden annimmt. Auf dem anschließenden Wasserberg fallen dem aufmerksamen Blick immer wieder Pingen – trichterförmige Vertiefungen – und alte Gruben auf, die von intensivem Tagebau in früheren Jahrhunderten zeugen. Infotafeln erklären, wie hier Eisenerz gewonnen und abtransportiert wurde, und machen deutlich, wie sehr der Bergbau Landschaft und Leben geprägt hat.
Foto: Andreas Hof
Der Weg bleibt abwechslungsreich: Mal führt er durch dichte Wälder, mal über lichte Schneisen mit weitem Blick auf Herdorf, das nun als Band von Dächern im Hellertal zu sehen ist. Kurz vor dem Ziel steigt man noch einmal moderat an, bevor man über den Abstieg nach Sassenroth schließlich das Fördergerüst des Kreisbergbaumuseums erblickt – das markante Wahrzeichen des Etappenendes. Hier, am Geo-Infozentrum des Landkreises Altenkirchen, endet die Etappe mit einem letzten Blick auf Gruben, Loren und Exponate, die die Geschichte der Region lebendig machen.
Die zweite Etappe des Druidensteigs ist damit geschafft. Knapp 18 Kilometer, über 500 Höhenmeter im Aufstieg und mehrere längere Anstiege machen sie zu einer sportlichen, aber äußerst lohnenden Tagesetappe, die Geologie, Bergbaugeschichte und weite Ausblicke ideal verbindet. Wer hier gut ankommt, darf mit einem gewissen Selbstbewusstsein auf die weiteren Etappen blicken – die konditionelle Messlatte liegt auf dieser Strecke bereits recht hoch. Für eine entspannte Tour sollte man ausreichend Wasser, Verpflegung und ein kleines Erste‑Hilfe‑Set mitführen und vorab prüfen, welche Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten in Kirchen, Herdorf und den umliegenden Orten zur Verfügung stehen.
Der Druidensteig ist als Deutschlands schönster Wanderweg 2026 nominiert und freut sich über jede Stimme aus der Wandercommunity. Unter https://www.westerwald.info/druidensteig-waehlen-2026 kann noch bis zum 30.06.2026 abgestimmt werden.
Tour-Informationen:
Art: Fernwanderweg-Etappe
Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll
Strecke: 17,6 km
Dauer: ca. 5,5 Stunden
Steigung: ca. 520 Höhenmeter auf, 470 Höhenmeter ab
Beschildert: Ja, durchgehend markiert
Beschaffenheit: überwiegend Naturwege und Pfade, dazu Waldwege und kurze Asphaltabschnitte
Besonderheit: Druidenstein als nationales Geotop und geologisches Highlight, Ottoturm und historischer Kreuzweg
Startpunkt: Bahnhof Kirchen (Sieg), Bahnhofstraße, 57548 Kirchen (Sieg)
Zielpunkt: Geo-Infozentrum/Bergbaumuseum des Landkreises Altenkirchen, Schulstraße 13, 57562 Herdorf-Sassenroth
Freusburg. Der Druidensteig, ein Fernwanderweg, welcher auf sieben Etappen von Freusburg nach Hachenburg führt, ist mit seinen 83 Kilometern Länge einer der Fernwanderwege der Region. Er führt durch die Landschaft zwischen Westerwald und Sieg und somit durch eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Dank der besonderen geologischen Eigenschaften des Westerwaldes gehören viele Bereiche zum Geopark Westerwald-Lahn-Taunus. Über 30 Informationspunkte entlang der Georoute beschreiben die Bergbautradition, das Leben der Leute und die einmalige Naturlandschaft.
Foto: Andreas Hof
Gleich die erste Etappe des Druidensteigs von Freusburg nach Sassenroth hat es so richtig in sich. Sie ist sowohl die längste der sechs Etappen, als auch mit knapp 500 Höhenmetern die anspruchsvollste. Dafür wird man auf der nicht ganz 17 Kilometer langen Strecke aber auch mit einigen Highlights belohnt. Los geht es von dem alten Backstein-Schulhaus unterhalb der bekannten Burg Freusburg, welche bereits im Jahr 950 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nachdem von ihr aus früher jahrelang über die ganze Region geherrscht wurde und sie Zentrum der einen oder anderen Streitigkeit in Adelskreisen war, ist sie nunmehr seit 1929 eine Jugendherberge. Mit 60.000 Übernachtungen im Jahr zählt die 1986 umgebaute Jugendherberge der Burg Freusburg zu den meistbesuchten Jugendherbergen Deutschlands. Gerade für Wandernde mit weiter Anreise lohnt sich eine Übernachtung in den historischen Gemäuern.
Über kleine Pfade und Gassen geht es los hinunter ins Siegtal. Auf diesem ersten Stück findet man, etwas zurückliegend zwischen den Häusern, ein altes Stollenportal. Es zeigt den Eingang der Grube Vereinigte Wilhelmine, welche ein Zusammenschluss mehrerer kleiner Gruben war. Am Infopunkt der Grube findet man viele wissenswerte Informationen über den früheren Tagebau. Nach einem Unglück im Januar 1828, bei welchem der 700 Meter tiefe Schacht komplett zerstört wurde, musste der Bergbau eingestellt werden.
Weiter geht es an der Siegtalstraße entlang bis zu einer Abzweigung in eine alte Allee. Diese führt direkt zur Freusburger Mühle, welche noch heute Strom aus Wasserkraft gewinnt. Bis zum Jahr 1845 war die Freusburger Mühle, welche sich ursprünglich auf der anderen Siegseite befand und im 17. Jahrhundert zur besseren Nutzung an das rechte Ufer verlegt wurde, eine sogenannte Bannmühle. Durch einen Mahlzwang waren alle Einwohner der Herrschaft Freusburg verpflichtet, ihr Getreide nur dort mahlen zu lassen. Der Mahlbetrieb wurde im Jahr 1978 eingestellt, seitdem dient die Freusburger Mühle lediglich der Stromgewinnung.
Nach der Freusburger Mühle beginnt der erste und insgesamt längste der Anstiege. Aus dem Siegtal stromaufwärts und immer bergan geht es über geschotterte Wege bis nach Katzenbach. Nach einem großen Bogen gelangt man schließlich in den Ort, in welchem man auch ein Hotel mit Restaurant findet. Durch die dicht bewaldeten Siegtalhänge und hohe Fichtenwälder folgt man dem Druidensteig immer weiter bergauf. Die auffälligen Geländestrukturen sowie kleine Grubeneingänge erinnern an die frühere Bedeutung der vielfältigen Bodenschätze der Region. Oben angekommen geht es über den Höhenrücken in Richtung Herkersdorf, wo der Ottoturm bereits auf einen wartet. Der knapp 20 Meter hohe Turm, welcher neu gebaut und 2010 wiedereröffnet wurde, bietet einen fantastischen Rundum-Blick ins Siegtal, zur Freusburg und bis zu den Höhen des Westerwalds. Wer nach dem langen Aufstieg noch ausreichend Kraft hat, sollte also auf jeden Fall noch die 102 Stufen erklimmen.
Foto: Andreas Hof
Über einen kleinen Wald- und Wiesenpfad setzt man nun die Wanderung fort. Nach einer kurzen Weile erreicht man auch schon die Stadt Kirchen. Hier findet man neben einem Heimatmuseum auch zahlreiche Gastronomiebetriebe. Wer sich nicht selbst verpflegt, sollte hier unbedingt die Gelegenheit nutzen, da es auf dem Rest der Strecke erst wieder am Zielort die Möglichkeit gibt. Und bis dahin hat man noch ein ganzes Stück vor sich. Nach dem Ort Kirchen geht es das erste Stück wieder durch einen schattigen Wald, bevor man durch die typischen Westerwaldwiesen mit vereinzelten Obstbäumen ins Imhäusertal hinab wandert. Kaum unten angekommen überquert man den Bach, bevor der nächste lange Aufstieg bevorsteht. Über große Serpentinen erklimmt man die Anhöhe, auf welcher der sagenumwobene Druidenstein emporragt.
Der Nationale Geotop Druidenstein ist eines der geologischen Denkmäler in Rheinland-Pfalz und das Wahrzeichen der Georoute Druidensteig. Der mehr als 25 Millionen Jahre alte Basaltfelsen steht bereits seit 1869 unter Naturschutz. Seit einem Blitzschlag im Jahr 1979 wird der Basaltkegel mit sechs Stahlbetonbalken gestützt. Glaubt man den Sagen, die sich um den Druidenstein ranken, war er einst eine keltische Opferstätte, an der man noch heute in Vollmondnächten das Jammern und die Wehklagen der Geopferten bis ins Tal hören kann. Rund um den Druidenstein laden mehrere Bänke zu einer Rast ein, während der man die Atmosphäre des Druidensteins auf sich wirken lassen kann.
Foto: Andreas Hof
Nach dem Druidenstein hat man endlich auch die stärksten Anstiege hinter sich gebracht. Weiter geht es nun in Richtung Herdorf. Durch die Herdorfer Wälder und vorbei an einem kleinen Sportplatz mitten im Wald immer weiter in Richtung Etappenziel. An einem kleinen Weiher im Hellertal findet man einen Wegweiser, der eine Abkürzung zum Ziel ermöglicht. Dem Druidensteig auf der regulären Strecke weiter folgend wandert man nun auf den Wasserberg. Die Gruben am Wegrand erinnern an die vergangenen Zeiten des Bergbaus. Oben angekommen kann man einen tollen Blick auf Herdorf genießen. Weiter durch die Wälder nähert man sich nun in großen Schritten Herdorf-Sassenroth. Ziel des Tages ist das Fördergerüst des Bergbaumuseums des Kreises Altenkirchen. Im Stundentakt hat man von hier die Anbindung an Herdorf und Betzdorf mit verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten.
Die erste Etappe des Druidensteigs hat man nun geschafft. Einige Kilometer und große Teile der Strecke bergauf gehend, belohnt sie einen mit vielen Highlights. Wer diese Etappe geschafft hat, muss sich für die restlichen Etappen eigentlich keine Sorgen mehr machen. Wichtig ist gerade beim Fernwandern, dass man sich vorher ausreichend informiert und neben dem Wandergepäck auch ausreichend Wasser, Verpflegung und Erste Hilfe Material dabei hat. Außerdem sollte man unbedingt vorher schauen, wo es welche Übernachtungsmöglichkeiten gibt und klären, ob diese auch freie Kapazitäten haben.
Der Druidensteig ist als Deutschlands schönster Wanderweg 2026 nominiert. Unter https://www.westerwald.info/druidensteig-waehlen-2026 kann noch bis zum 30.6.2026 abgestimmt werden.
Tour-Informationen:
Art: Fernwanderweg
Schwierigkeit: schwer
Strecke: 16,8 km
Dauer: 5,5 Stunden
Steigung: circa 500 Höhenmeter
Beschildert: Ja
Beschaffenheit: überwiegend Naturwege und Pfade
Besonderheit: Etappe 1
Startpunkt: Burg Freusburg (Kapellenweg 10, 57548 Kirchen (Sieg))
Zielpunkt: Geo-Infozentrum Bergbaumuseum (Schulstraße 13, 57562 Herdorf-Sassenroth)